Jagd

„Wie gefährlich ist der neue Jagd-Hype?“ – ARD-Doku sorgt für Kritik

Mehr Schlagzeilen als Sachlichkeit: Die neue ARD-Doku stellt Jagd und Waffenbesitz als gesellschaftliches Risiko dar. Und dann kommt noch Feuer aus den eigenen Reihen.

Die neue ARD-Dokumentation „Wie gefährlich ist der neue Jagd-Hype?“ wirft einen kritischen Blick auf den Boom der Jagd in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen Jagdausbildung, der Zugang zu Schusswaffen und die Frage, ob der starke Zuwachs an Jungjägern auch neue Risiken mit sich bringt. Soweit so altbekannte Themen. Das nicht jeder in der Gesellschaft die Jagd versteht und nicht jeder dahinter steht, ist mittlerweile jedem klar. 

Dabei zeichnet die Reportage jedoch ein Bild, das stellenweise sehr verzerrt. Einzelne tragische Jagdunfälle werden als roter Faden genutzt, um den Eindruck zu vermitteln, dass die zunehmende Zahl von Jägern ein grundsätzliches Sicherheitsproblem darstelle. Dass jährlich zehntausende Jäger ihre Ausbildung erfolgreich absolvieren und verantwortungsvoll ihrem Hobby nachgehen, findet dagegen nur wenig Beachtung.

Besonders kritisch: Die Aussagen von Dr. Florian Asche, Präsident des Landesjagdverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Er stellt unter anderem kompakte Jagdscheinkurse, die innerhalb weniger Wochen zur Jägerprüfung führen, als grundsätzlich problematisch dar. Eine derart pauschale Kritik aus den eigenen Reihen dürfte viele Jäger, Ausbildungsbetriebe und Jagdschulen irritieren. Denn entscheidend ist nicht die Dauer eines Kurses, sondern ob die gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte vermittelt werden und die anspruchsvolle staatliche Jägerprüfung bestanden wird. Das wirkliche Lernen findet in beiden Versionen, ob traditionell über eine Kreisjägerschaft oder über eine Jagdschule, erst nach der Prüfung an. Wie bewirtschaftet man ein Revier? Wie schafft man dem Wild praktisch Rückzugsorte? Wie arbeitet man mit der Bevölkerung vor Ort zusammen? Wie plant man den Erhalt eines Revieres im Einklang mit Forst und Landwirtschaft? All das sind Fragen, die man wirklich erst lernt, wenn man in die Praxis kommt.

Natürlich muss über Ausbildungsqualität gesprochen werden. Aber bitte auf Basis von Fakten – nicht von Schlagzeilen. Die ARD-Dokumentation vermittelt über weite Strecken den Eindruck, als sei der Jagdschein ein Einfallstor für unkontrollierten Waffenbesitz. Das wird der Realität der deutschen Jägerinnen und Jäger nicht gerecht. Umso unverständlicher ist es, wenn aus den eigenen Reihen pauschal gegen kompakte Jagdkurse geschossen wird. Wer legale, staatlich überwachte Ausbildungswege ohne belastbare Belege öffentlich diskreditiert, stärkt am Ende nicht die Jagd, sondern jene, die den privaten Waffenbesitz grundsätzlich infrage stellen.