Community & Kultur

Drohnen-Krieg mit ungewöhnlichen Mitteln: TENETA Defence zeigt MITLA-1

365 Gramm, ein Netz und eine ziemlich ungewöhnliche Idee: Die Ukraine hat eine neue Antwort auf die wachsende Bedrohung durch FPV-Drohnen entwickelt.

Gegen Drohnen muss es nicht immer Jammer, Radar oder Abfangdrohne sein. 

Das ukrainische Unternehmen TENETA setzt bei seinem MITLA-1 auf ein erstaunlich simples Prinzip: Ein Netz soll anfliegende FPV-Drohnen aus kurzer Entfernung stoppen. Der Drohnenkrieg in der Ukraine hat in den vergangenen Jahren eine ganze eigene Rüstungsindustrie hervorgebracht. Funkstörsender, mobile elektronische Kampfführung, Drohnenjäger und inzwischen sogar autonome Abfangdrohnen gehören zum Alltag. Gleichzeitig entsteht aber auch Ausrüstung für genau den Moment, in dem all diese Systeme nicht mehr ausreichen: Wenn die FPV-Drohne bereits unmittelbar vor der eigenen Stellung auftaucht.

Der MITLA-1 ist als Einweg-System ausgelegt und fällt entsprechend kompakt aus. Das komplette Gerät wiegt laut den veröffentlichten Herstellerangaben gerade einmal 365 Gramm und ist etwa 200 Millimeter lang bei 40 Millimetern Durchmesser. Damit soll es problemlos in einer Tasche oder am persönlichen Tragegeschirr mitgeführt werden können. Klassische Anti-Drohnen-Gewehre sind zwar ebenfalls mobil, bringen aber deutlich mehr Gewicht und zusätzliche Technik mit. Der MITLA-1 benötigt dagegen keine Batterie und keine Funkverbindung zum Ziel. Er ist damit grundsätzlich unabhängig von der elektronischen Lage auf dem Gefechtsfeld.

Teneta Mitla 1 _ 1.jpg

Bild oben: Teneta Defence

0,2 Sekunden bis zum Netz

Das Funktionsprinzip des MITLA-1 ist schnell erklärt. Nach dem Entsichern wird das System auf die anfliegende Drohne gerichtet und ausgelöst. Innerhalb von etwa 0,2 Sekunden soll sich das mitgeführte Netz vollständig entfalten. Das Netz misst dabei rund 3,5 × 3,5 Meter. Trifft es die Drohne, sollen sich die Rotoren darin verfangen und das Fluggerät dadurch aus dem kontrollierten Flug bringen. Die angegebene maximale effektive Reichweite liegt bei bis zu 25 Metern. Damit wird auch ziemlich schnell klar, wofür das System gedacht ist: Der MITLA-1 ist keine weitreichende Drohnenabwehr sondern ist die letzte Karte, wenn eine kleine Drohne bereits gefährlich nah gekommen ist.

Teneta Mitla 1_2.jpg

Bild oben: TENETA Defence

 

Der Vorteil gegenüber anderen Systemen

Der größte Unterschied zu elektronischen Counter-UAS-Systemen liegt auf der Hand: Der MITLA-1 muss die Drohne nicht kontrollieren. Ein klassischer Jammer versucht, die Funkverbindung zwischen Drohne und Pilot oder deren Navigation zu beeinträchtigen. Das kann gegen bestimmte Systeme funktionieren, ist aber abhängig von Frequenzen, Protokollen und der jeweiligen technischen Auslegung des Fluggeräts. Moderne Drohnen werden zunehmend darauf ausgelegt, mit gestörten oder vollständig ausfallenden Funkverbindungen umzugehen.

Teneta Mitla 1_3.jpg

Bild oben: Teneta Defence

 

Ein Netz braucht dagegen keine Verbindung, sondern muss lediglich die Flugbahn der Drohne kreuzen. Das macht den MITLA-1 besonders für Situationen interessant, in denen elektronische Gegenmaßnahmen nicht funktionieren oder schlicht keine Zeit mehr für deren Einsatz bleibt oder aber der Ausbildungsstandard sehr niedrig ist. 

Der Nachteil: 25 Meter maximale effektive Reichweite sind im Drohnenkrieg keine große Distanz. Eine FPV-Drohne kann diese Strecke in sehr kurzer Zeit zurücklegen, eine weitere Rückfallebene existiert also nicht. Gleichzeitig hat der Schütze nur einen Verusch. Hinzu kommt, dass ein Netzwerfer vom richtigen Timing und einer passenden Flugbahn abhängig ist. Eine schnelle oder stark manövrierende Drohne lässt sich nicht einfach wie ein stationäres Ziel treffen. Auch Wind, Hindernisse und die Größe des Zieles können die Wirksamkeit eines Netzes beeinflussen. Solche Systeme sind deshalb eher als günstige, zusätzliche Schutzschicht und nicht als Ersatz für eine umfassende Counter-UAS-Lösung zu verstehen.

Auch der Rückstoß ist nicht ganz ohne. TENETA verwendet eine 7,62-mm-pyrotechnische Patrone, um das Netz aus dem Gehäuse zu bringen. Aufgrund des dabei entstehenden Rückstoßes wird empfohlen, den MITLA-1 mit beiden Händen zu halten.

Die Kosten halten sich auch sehr im Rahmen: Auf der offiziellen Website wird der MITLA 2.0 aktuell mit 4.000 UAH, umgerechnet rund 80 US-Dollar, geführt. Wer das System direkt mit passendem Holster möchte, bekommt ein Bundle für 4.600 UAH, also etwas mehr als 100 US-Dollar. Ein separates MOLLE-Holster ist ebenfalls erhältlich. Bestellungen nimmt TENETA derzeit direkt über die eigenen Messaging-Kanäle entgegen.

Teneta Mitla 1.jpg

Bild oben: The Firearm Blog / Teneta Defence

Fazit: Ist die MITLA-1 die Antwort auf alle Drohnenfragen?

Auf den ersten Blick wirkt der MITLA-1 fast wie eine Kuriosität. Ein kleines Rohr, ein Netz und ein Pyrotechnik-Antrieb sollen eine der gefährlichsten Waffen des modernen Gefechtsfeldes stoppen. Bei genauerem Hinsehen steckt dahinter aber eine ziemlich logische und kreative Überlegung, um mit einer komplexen asymetrischen Bedrohung umzugehen. Die Ukraine muss täglich mit einer enormen Zahl kleiner Drohnen umgehen. Nicht jede davon kann mit einem teuren Flugabwehrsystem bekämpft werden. Nicht jede lässt sich zuverlässig elektronisch stören. Und nicht für jede Bedrohung steht eine Abfangdrohne bereit.

Also braucht es Lösungen, die billig, klein, sofort verfügbar und unabhängig von komplexer Elektronik sind. Ob der MITLA-1 sich im großen Maßstab tatsächlich als wirksame Antwort auf FPV-Drohnen durchsetzen kann, wird letztlich die Praxis zeigen. Die öffentlich verfügbaren Angaben stammen bislang vor allem vom Hersteller und ukrainischen Berichten; belastbare unabhängige Daten zur tatsächlichen Treffer- und Erfolgsquote sind nur begrenzt verfügbar.

Trotzdem zeigt der MITLA-1 ziemlich eindrucksvoll, in welche Richtung sich die Drohnenabwehr entwickelt: Neben Radar, KI, Lasern und elektronischer Kampfführung entstehen immer mehr Systeme für den letzten Moment – wenn die Drohne schon da ist und es nur noch darum geht, sie irgendwie vom eigenen Soldaten fernzuhalten.

Und manchmal ist die Antwort darauf eben kein Hightech-System, sondern ein 3,5 × 3,5 Meter großes Nylonnetz.

 

Für mehr Infos checkt https://teneta-defence.com/ aus!