INEOS Grenadier: Italienisches Militär und Österreich bestellen 4×4-Fahrzeuge
INEOS Automotive hat erste größere Aufträge staatlicher Streitkräfte für den Grenadier 4×4 erhalten. Wie das Unternehmen gerade mitteilte, stammen die Bestellungen von der italienischen Armee und der österreichischen Regierung, konkrete Angaben zu Stückzahlen wurden bislang nicht veröffentlicht. Italien ist damit das erste NATO-Mitglied, das eine größere Bestellung des Grenadier für seine Streitkräfte aufgibt. Die Auslieferung an die italienische Armee soll Anfang 2027 durch ATflow beginnen, den regionalen Vertriebspartner von INEOS Automotive.

Mit dieser Version des Ineos Grenadier, dem "Grenadier EPV ("Enhanced Protection Vehicle“, also ein Fahrzeug mit erhöhtem Schutz)" nimmt INEOS an der Ausschreibung des britischen Verteidigungsministerium Teil. Quelle: INEOS
In Österreich ging eine Ausschreibung der Regierung an die Valentin Tusch GmbH. Das Unternehmen ist auf Fahrzeugpanzerung und Fahrzeugumbauten spezialisiert und soll die "österreichischen Verteidigungs- und Innensicherheitskräfte" (also auch hier ist eine militärische Nutzung vorgesehen) mit entsprechend angepassten, geschützten Grenadier-Fahrzeugen ausstatten. Die ersten Auslieferungen und Erprobungen dieser Varianten sind noch für 2026 vorgesehen. Die Valentin Tusch GmbH ist bereits seit Jahrzehnten einer der "Hidden Champions" für den Bereich des gepanzerten Fahrzeugausbau.
Der Ineos Grenadier im Überblick: Ziviler Vorreiter, behördlicher Aufsteiger
Seit dem Produktionsbeginn im Oktober 2022 hat INEOS Automotive rund 40.000 Grenadier verkauft. Der überwiegende Teil der Fahrzeuge ging bislang an Privatkunden. Der Erfolg des Grenadier beruht auf der Symbiose zwischen klassischstem Design und modernster Technik. Während die Linien des Exterieur bekannten englischen Linien folgt, schlummern unter der Haube modernste deutsche Triebwerke: Niemand geringeres als BMW lieferte die neusten B57 und B58-Motoren. Hierbei handelt es sich um turboaufgeladene Reihensechszylinder Diesel- und Benzinerturbomotoren. Diese liefern bis zu 286 PS an die robusten Starrachsen.

Bild oben: INEOS
Das Konzept des robusten Geländewagens mit Starrachsen, Allradantrieb und Leiterrahmen setzt sich im Innenraum fort. Schon beim Öffnen der Türen fällt das nahezu analoge Cockpit auf. Während selbst Traditionshersteller wie Mercedes-Benz bei Dauerbrennern wie der G-Klasse zunehmend auf große Displays und Touchfunktionen setzen, geht INEOS beim Grenadier bewusst einen anderen Weg. Das Cockpit erinnert eher an ein Flugzeug: Über dem Kopf befindet sich eine große Bedientafel, während sich auf der Mittelkonsole zahlreiche mechanische Druck- und Drehschalter finden. Auch bei den Materialien steht die praktische Nutzung im Vordergrund. Robuste, pflegeleichte Oberflächen und widerstandsfähige Bedienelemente sind gerade dort von Vorteil, wo Schlamm, Staub und Feuchtigkeit zum Alltag gehören und der Innenraum regelmäßig gereinigt werden muss.
Alleinentscheidend für die militärische und behördliche Nutzung sind solche Details natürlich nicht. Doch am Ende des Tages sind es viele kleine Details, die bei einer Beschaffung das Zünglein an der Waage sein können. Dazu zählt auch, dass sich zentrale Funktionen über physische Schalter bedienen lassen, ohne dass der Fahrer durch verschachtelte Menüs navigieren muss.

Bild oben: INEOS
Leichte Mobilitätsfahrzeuge: Das strategische Ziel von INEOS Automotive
Der Grenadier wird bereits international von Polizei- und Grenzschutzbehörden, Spezialeinheiten sowie Rettungsdiensten eingesetzt. Zu den Nutzern zählen auch polizeiliche Elite-Antiterror- und taktische Eingreifkräfte in Deutschland, Frankreich und Spanien. Darüber hinaus haben sich mehrere Staaten entlang der osteuropäischen Grenzen für das Fahrzeug als Plattform für Sicherheits- und Grenzschutzaufgaben entschieden. Dazu gehören Ungarn, Polen, Tschechien, Serbien und die Slowakei. Was bisher fehlte, waren militärische Nutzungen in der Breite.

Bild oben: Der INEOS Grenadier wird bereits schon flächendeckend von zivilen und polizeilichen Kräften. Hier zu sehen: Im Einsatz bei der RAID, den Spezialkräften der französischen Nationalpolizei. Quelle: automotomagazine (auto-moto.com)
Das strategisch bedeutendste Ziel im militärischen Bereich ist für den Hersteller jedoch die Ausschreibung des britischen Verteidigungsministeriums für sogenannte Light Mobility Vehicles (LMV). Im Rahmen dieses Beschaffungsvorhabens sollen die veralteten leichten und mobilen taktischen Fahrzeugplattformen der britischen Streitkräfte ersetzt werden. Dazu zählen insbesondere die auf Land Rover und Pinzgauer basierenden Fahrzeugflotten, deren Außerdienststellung bis 2030 vorgesehen ist. Lynn Caulder, CEO von INEOS Automotive, erläuterte die Ausrichtung des Fahrzeugs im Zusammenhang mit der britischen LMV-Anforderung am 2. September 2026 gegenüber Journalisten in der Pressestelle des Unternehmens. Mit Blick auf die ursprüngliche Konzeption des Grenadier erklärte sie: „Unser Fahrzeug wurde genau für diesen Zweck entwickelt; das war die ursprüngliche Vision.“
Team Grenadier erreicht die nächste Phase der britischen LMV-Ausschreibung
Am 1. Oktober 2026 gab das britische Verteidigungsministerium bekannt, dass Team Grenadier zu den sieben ausgewählten Bietern gehört, die im weiteren Verlauf des LMV-Beschaffungsverfahrens Testfahrzeuge bereitstellen sollen. Das Konsortium umfasst neben INEOS Automotive insbesondere SMT Defence und NMS UK.
Die Aufträge aus Italien und Österreich kommen für das Team zu einem wichtigen Zeitpunkt. Während die italienische Bestellung die militärische Nutzung des seriennahen Grenadier in einem NATO-Mitgliedstaat konkretisiert, umfasst das österreichische Vorhaben geschützte Fahrzeugvarianten. Beide Beschaffungen ergänzen damit die Positionierung des Grenadier im militärischen und behördlichen Fahrzeugmarkt und firmen das LMV-Angebot von "Team Grenadier".

Der Grenadier EPV ist eine gesondert geschützte Version des Grenadier. Vergleicht man die Version mit dem deutschen Pendant, dem "Wolf" von Mercedes-Benz, so würde man Ihn irgendwo zwischen dem klassischen "Greenliner" und dem "ENOK" ansiedeln. Bildquelle: INEOS
EPV Grenadier: Geschützte Variante für militärische Anforderungen
Ein wesentlicher Bestandteil des LMV-Angebots von Team Grenadier ist die EPV-Variante des Fahrzeugs. Sie wird von NMS UK gefertigt. Als Basis dient ein von INEOS Automotive im französischen Hambach produziertes Grenadier-Fahrgestell mit verbesserter Federung. NMS UK übernimmt darauf aufbauend die Fertigung der EPV-Ausführung. Mit den nun bekannt gewordenen Aufträgen aus Italien und Österreich erhält das militärische Geschäft von INEOS Automotive deutliche zusätzliche Schwerpunkte und machen Lust auf die Zukunft. Galt der (behördliche) Fahrzeugmarkt doch für Jahrzehnte als sehr konservatives Haifischbecken. Die freiwerdenden Auftragsvolumina gingen immer an die gleichen, etablierten Hersteller und für Neuline war wenig Platz. Das ändert sich nun zunehmends und INEOS kann sich auf dem europäischen militärischen Markt positionieren. Gleichzeitig bleibt die britische LMV-Ausschreibung ein zentrales Ziel des Unternehmens: Sie bietet die Möglichkeit, den Grenadier als leichte, mobile taktische Plattform für die Streitkräfte des Vereinigten Königreichs zu etablieren und damit einen deutlich größeren militärischen (Einzel-)Beschaffungsmarkt zu erschließen.
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