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Jüngste Militärpfarrerin Deutschlands: Vom Zweifel zur Berufung

Soldaten benötigen nicht immer nur militärische Unterstützung, sondern auch geistliche. Darum kümmert sich unter anderem Johanna.

An den Bundeswehrstandorten Füssen und Sonthofen versieht seit Herbst 2024 die wohl jüngste Militärpfarrerin Deutschlands ihren Dienst: Johanna Bogenreuther-Schlosser. Ihre Aufgabe ist klar umrissen – für Soldatinnen und Soldaten da zu sein, wenn Gespräche gebraucht werden, Halt fehlt oder ethische Fragen Raum brauchen. Dafür bleibt sie nicht im Büro: Sie begleitet Truppenübungen, ist auf Übungsplätzen präsent und diskutiert gerne mit angehenden Offizieren bei Bergwanderungen darüber, was gute militärische Führung ausmacht.

Dass ihr Weg sie einmal zur Bundeswehr führen würde, hätte sie als Jugendliche selbst nicht geglaubt. Damals blickte sie skeptisch auf die Streitkräfte. Was sie dagegen früh wusste: Sie wollte Pfarrerin werden und Menschen auf ihrem Lebensweg begleiten. Erst während ihres Theologiestudiums änderte ein Praktikum bei einem Artilleriebataillon ihren Blick grundlegend. Dort erlebte sie Kameradschaft, Professionalität und die Überzeugung, dass Frieden und Freiheit aktives Engagement erfordern.

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Bild oben: Johanna Bogenreuther-Schlosser

Aus dieser Erfahrung wuchs der Entschluss, sich auch selbst einzubringen. Bogenreuther-Schlosser ließ sich als Reservistin ausbilden, wurde bei den RSU-Kräften in Mittelfranken beordert, engagiert sich in der Reservistenkameradschaft Nürnberg und absolvierte 2023 die Ausbildung zur Reserveoffizierin. Heute trägt sie den Dienstgrad Oberleutnant der Reserve.

Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Gemeindepfarrerin in einem kleinen fränkischen Ort. Auch dort suchte sie bewusst die Nähe zu den Menschen – mit Gottesdiensten im Festzelt, auf Sportplätzen oder im Wirtshaus. Als in Füssen die Stelle einer Militärpfarrerin frei wurde, war für sie schnell klar, dass diese Verbindung aus Seelsorge und Dienst in der Truppe genau das Richtige ist. Sie bewarb sich – und erhielt die Stelle.

Heute betreut sie mehrere hundert Soldatinnen und Soldaten sowie deren Familien - dazu indirekt noch tausende von Menschen über die sozialen Medien, wo sie offen über Themen wie Glaube und Mentale Gesundheit spricht. (Fast) immer mit dabei: Ihr Hollandse Herder "Kalie".