Schlag gegen militante Jagdgegner
Ermittler des Landeskriminalamts Sachsen und der Staatsanwaltschaft Dresden sind einer mutmaßlichen Sabotage-Gruppe auf die Spur gekommen. Im Fokus stehen fünf Tatverdächtige – ein 27-jähriger Österreicher sowie vier Deutsche im Alter zwischen 21 und 35 Jahren. Die Beschuldigten sollen laut Ermittlern zwischen Dezember 2023 und Mai 2025 in insgesamt 24 Fällen rund 75 Hochsitze und andere Jagdeinrichtungen zerstört oder beschädigt haben. Der entstandene Schaden wird derzeit auf etwa 70.000 Euro geschätzt.
Am 4. und 6. März rückten Ermittler zu Durchsuchungen in Dresden, Leipzig und Halle (Saale) aus. In mehreren Wohnungen der Verdächtigen stellten die Beamten Datenträger, Kommunikationsmittel, Unterlagen und Werkzeuge sicher, die nun ausgewertet werden. In einer der Wohnungen fanden die Fahnder zudem eine größere Menge Cannabis, die beschlagnahmt wurde. Besonders brisant: An mehreren Tatorten hinterließen die Täter offenbar Parolen und Markierungen mit Bezug zur „Animal Liberation Front“ (ALF). Schriftzüge wie „ALF“, „MÖRDER“ oder „JÄGER JAGEN“ sollen auf beschädigten Hochsitzen aufgetaucht sein. Auch Bekennerschreiben im Internet deuten laut Ermittlern auf eine ideologische Nähe zur militanten Tierbefreiungsbewegung hin.
Die Animal Liberation Front gilt als international aktive Szene radikaler Tierrechtsaktivisten. Die Bewegung ist nicht hierarchisch organisiert, sondern besteht aus autonomen Zellen. In den Vereinigten Staaten wurde die ALF bereits 2004 vom FBI als terroristische Organisation eingestuft. Typisch für Aktionen aus dem Umfeld der Gruppe sind Sabotageakte gegen Einrichtungen, die mit Jagd, Tierhaltung oder Tiernutzung in Verbindung stehen.
Neben dem Sachschaden sehen Ermittler vor allem ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Manipulierte oder angesägte Hochsitze können einstürzen und stellen damit eine reale Gefahr für Jäger oder andere Personen dar, die die Einrichtungen nutzen. Der Staatsschutz weist darauf hin, dass solche Sabotageakte Leib und Leben gefährden können.
Nach Informationen aus Ermittlerkreisen sollen sich mehrere der Beschuldigten im Umfeld der Klimaprotestbewegung „Letzte Generation“ kennengelernt haben. Einige Verdächtige sind demnach bereits wegen Aktionen wie Straßenblockaden polizeilich aufgefallen. Haftbefehle wurden bislang nicht erlassen. Die Ermittlungen dauern jedoch an, insbesondere die Auswertung der sichergestellten Datenträger und Kommunikationsmittel dürfte in den kommenden Wochen weitere Erkenntnisse liefern.
Headerbild: BILD/ xcitepress/Finn Becker



