Schleswig-Holstein führt ab dem kommenden Jahr eine verbindliche Quote für unangekündigte Waffenkontrollen ein. Künftig sollen 30 Prozent der Kontrollen bei Legalwaffenbesitzern ohne vorherige Ankündigung erfolgen. Bislang konnten die Kreise und kreisfreien Städte selbst entscheiden, ob sie die Überprüfung vorher ankündigen.
Bereits 2022 hatte das Land festgelegt, jährlich zehn Prozent der Legalwaffenbesitzer zu kontrollieren. Wie eine Kleine Anfrage der SPD zeigt, wurde diese Vorgabe regional sehr unterschiedlich umgesetzt. Während Kiel knapp 27 Prozent der Legalwaffenbesitzer kontrollierte, kam der Kreis Schleswig-Flensburg lediglich auf 3,54 Prozent. Landesweit wurden 12,2 Prozent der Waffenbesitzer anlass- beziehungsweise verdachtslos kontrolliert.
139 Ordnungswidrigkeiten und 54 Straftaten festgestellt
Im Jahr 2025 führten die Waffenbehörden insgesamt 3.583 Kontrollen durch. Davon erfolgten 41 aufgrund eines konkreten Anlasses oder Verdachts. Bei den Kontrollen wurden nach Angaben der Landesregierung 139 Ordnungswidrigkeiten und 54 Straftaten festgestellt.
Deutlich gestiegen ist auch die Zahl der waffenrechtlichen Widerrufsverfahren, die aufgrund von Aufbewahrungskontrollen eingeleitet wurden. Waren es 2024 noch 28 Verfahren, stieg die Zahl 2025 auf 86. Das entspricht einer Zunahme um rund 207 Prozent. Wie viele dieser Verfahren tatsächlich zum Entzug einer waffenrechtlichen Erlaubnis führten, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor. Auch die Gründe für den deutlichen Anstieg bleiben offen.
Wirksamkeit unangekündigter Kontrollen nicht belegt
Ob unangekündigte Kontrollen mehr Verstöße aufdecken als angekündigte, lässt sich anhand der vorliegenden Zahlen nicht beurteilen. Das Innenministerium hatte bereits 2025 auf eine Kleine Anfrage der SPD erklärt, dass festgestellte Verstöße nicht danach erfasst würden, ob eine Kontrolle vorher angekündigt wurde oder unangekündigt erfolgte.
Das Ministerium bezeichnete beide Kontrollformen als wirksam. Die Waffenbehörden berichteten demnach auch bei angekündigten Kontrollen regelmäßig von festgestellten Aufbewahrungsmängeln. Zudem könnten angekündigte Überprüfungen die Sensibilität der Waffenbesitzer für die sichere Aufbewahrung erhöhen. „Insoweit sind beide Formen der Kontrollen sinnvoll“, erklärte das Innenministerium.
Die nun geplante Mindestquote von 30 Prozent bleibt unter einer früheren Empfehlung des Landes. Noch 2025 hatte das Innenministerium erklärt, dass die Mehrheit der Waffenkontrollen unangekündigt stattfinden solle.
Titelbild: Symbolbild, KI-generiert nach realer Vorlage. Die Darstellung zeigt keine reale Situation.



