SIG Sauer reagiert nun doch auf Kritik an der Munitionskapazität der neuen M7- und M8-Gewehre der U.S. Army. Statt der bisherigen 20-Schuss-Magazine soll künftig auch eine Ausführung mit 25 Schuss zur Verfügung stehen. Das berichtet die amerikanische Army Times.
Erst kürzlich war bekannt geworden, dass die U.S. Army die Karabinerversion M8 zum Jahresende 2026 offiziell einführen will. Sie basiert auf dem M7 und wurde unter anderem entwickelt, nachdem Soldaten die Masse und Abmessungen des ursprünglichen Gewehrs kritisiert hatten. Mit dem neuen Magazin reagiert SIG Sauer nun auf einen weiteren Kritikpunkt des Next Generation Squad Weapons (NGSW)-Systems: die vergleichsweise geringe Munitionskapazität.
Weniger Schuss bei ähnlicher Masse
Das M7 und das M8 wurden im Rahmen des NGSW-Programms für die 6,8 × 51 mm Common Cartridge ( 6,8 x 51 NGSW) entwickelt. Die 6,8-mm-Patronen verfügen über eine Hybrid-Metallhülse, die einen Messingkörper mit einer Basis aus rostfreiem Stahl kombiniert. Beide Komponenten sind über eine Aluminiumscheibe miteinander verbunden. Die von der U.S. Army vorgegebene 6,8-mm-General-Purpose-Round (GPR) soll gegenüber der bisherigen 5,56 × 45 mm NATO eine höhere ballistische Leistung bieten. So ermöglicht das System theoretisch höhere effektive Kampfentfernungen sowie eine verbesserte Wirkung gegen Körperpanzerung und Deckungen. So weit die Theorie.

Bild oben: Die 6,8 x 51 mm NATO soll die Standardmunition des Infanteristen revolutionieren. Mehr Reichweite, mehr Durchschlagskraft auf höhere Entfernungen - aber auch mehr Eigengewicht. Ob diese Rechnung am Ende aufgeht, wird die Zukunft zeigen. Bild: SIG SAUER
Doch die neue Patrone bringt allerdings auch Nachteile mit sich: Die Abmessungen liegen ungefähr auf dem Niveau der 7,62 × 51 mm NATO, der ballisitische Koeffizient der 6,8 x 51 ist jedoch besser. Doch durch die größeren Abmessungen gegenüber der 5,56 x 45 mm NATO passen deutlich weniger Patronen in ein Magazin vergleichbarer Größe. Während die M16- und M4-Familie mit 30-Schuss-Magazinen arbeitet, fasst das bisherige Magazin des M7 lediglich 20 Patronen. Die geladene Masse liegt dabei mit rund 630 Gramm in einer ähnlichen Größenordnung wie bei einem voll geladenen 30-Schuss-Magazin der bisherigen Waffenfamilie. Bei einer reinen Schwerpunktwaffe wie der eines Präzisions, Scharf- oder DMR- (Designated Marksman) Schützen ist dieser Aspekt zu vernachlässigen und war auch bisher der traditionelle Einsatzzweck von diesen Kalibern. Nun setzt die US Army dieses Kaliber und diese 6,8 x 51 mm NATO-Patrone aber als Standardinfanteriewaffe ein.
Bei einer üblichen Kampfbeladung mit sieben Magazinen führt ein Soldat damit bislang 140 Schuss mit sich. Bei der M4 wären es unter vergleichbaren Annahmen 210 Schuss. Mit den angekündigten 25-Schuss-Magazinen ließe sich der Munitionsvorrat auf 175 Schuss erhöhen. Die Lücke zur bisherigen Bewaffnung würde damit kleiner, aber nicht vollständig geschlossen. Für den regulären Infanteristen und Einzelschützen haben aber die Kriege der Vergangenheit und insbesondere der Gegenwart jedoch gezeigt, dass im Zweifel Feuerüberlegenheit durch Munitionskapazität aufgebaut und gesichert wird.

Bild oben: Der ehemalige US-Heeresstaatssekretär Daniel Driscolle schießt mit dem XM7 der US Army. Bild: US Army
Neue Magazine: Mehr Munition, mehr Gewicht?
Das Grundproblem bleibt aber trotz größerer Magazine bestehen: Die größere Patrone benötigt mehr Platz im Magazin. Ein 25-Schuss-Magazin erhöht zwar die verfügbare Munitionsmenge, bringt bei vergleichbarer Bauweise aber auch zusätzliches Gewicht mit sich. Und gerade das Gewicht des Gesamtsystems gehört aber zu den (Haupt-)Kritikpunkten am M7. Denn neben der Waffe selbst schlagen aber noch das Feuerleitvisier M157, der standardmäßige Signaturreduzierer und die mitgeführte Munition zu Buche. Damit beansprucht die neue Bewaffnung einen erheblichen Anteil der angestrebten Universal-Basislast eines Infanteristen von 55 Pfund, umgerechnet rund 25 Kilogramm.
Die höhere Präzision und ballistische Leistung des NGSW-Systems sollen den geringeren Munitionsvorrat teilweise kompensieren. Für Soldaten bedeutet eine geringere Zahl verfügbarer Patronen zunächst aber auch weniger Spielraum bei der Schussabgabe. Das neue 25-Schuss-Magazin ist deshalb eine nachvollziehbare Reaktion auf die Kritik aus der Truppe. Wie stark es sich auf die tatsächliche Ausrüstung und Kampfbeladung auswirken wird, hängt letztlich auch davon ab, ob und in welchem Umfang die größere Magazinkapazität eingeführt wird.
Liefertermine für den zivilen Markt
Militärische Entwicklungen sind insbesondere bei SIG Sauer relativ schnell auch in abgewandelter Form für den Endverbraucher erwerbbar. Ob und wie schnell jedoch (europäische) Endkunden an die neuen 25-Schuss Magazine kommen, ist nicht abzusehen. Auch ob eine eventuelle Ausbreitung des Angebots an Magazinen für andere Langwaffen für berechtigte Käufer geplant ist, ist nicht bekannt - dazu halten wir euch auf dem Laufenden.
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