Der P320-Skandal bekommt eine neue Wendung. Nach monatelangen Diskussionen, Untersuchungen und teils schweren Vorwürfen erklären die US-Streitkräfte das Modular Handgun System aus M17 und M18 nun offiziell für sicher und zuverlässig.
Die SIG SAUER P320 steht seit Jahren im Fokus. Auch wir von LOWREADY Magazine haben die Plattform mehrfach unter die Lupe genommen: von der ursprünglichen Fallsicherheitsproblematik über Berichte zu ungewollten Schussabgaben bis hin zum tödlichen Zwischenfall mit einer M18 bei der U.S. Air Force. Nun kommt eine Nachricht aus den USA, die zumindest die offizielle Bewertung der militärischen P320-Varianten wieder verändert.
Das für das Modular Handgun System zuständige "Project Manager Soldier Lethality" des US-Heeres teilte am 7. August 2026 mit, dass die M17 und M18 sicher und zuverlässig seien. Nach umfangreichen Untersuchungen habe es demnach bislang keinen mechanisch verursachten unbeabsichtigten Schuss gegeben. Alle untersuchten Fälle seien laut US Army darauf zurückzuführen gewesen, dass der Abzug betätigt wurde.
Mehr als 1,5 Millionen Schuss getestet
Die US-Streitkräfte verweisen dabei nicht nur auf eine einzelne Untersuchung. Bereits vor der Einführung des Systems wurden im Rahmen der Production Verification Tests mehr als 200 Pistolen eingesetzt und über 1,5 Millionen Schuss abgegeben. Getestet wurden unter anderem Zuverlässigkeit, Haltbarkeit, Fallsicherheit, grobe Behandlung und extreme Umweltbedingungen. Frühzeitig festgestellte Probleme bei Falltests seien durch konstruktive Änderungen behoben worden, bevor die Waffen an die Truppe ausgegeben wurden.
Mittlerweile befinden sich laut Army mehr als 400.000 M17 und M18 bei US Army, Air Force, Marine Corps und Navy im Dienst. Das System verfügt über insgesamt fünf Sicherheitsmechanismen: vier interne Sicherungen sowie eine beidseitig bedienbare manuelle Sicherung. Auf diese Sicherungen verweist auch das von SIG SAUER erstellte Portal www.P320Truth.com , auf dem gezeigt werden soll, warum die P320 keine unsichere Dienstwaffe sei.
Und was ist mit dem Fall bei der Air Force?
Gerade dieser Punkt dürfte für viele Beobachter interessant sein. Nach dem tödlichen Vorfall auf der F.E. Warren Air Force Base im Juli 2025 hatte Air Force Global Strike Command den Einsatz der M18 zunächst gestoppt und eine vollständige Überprüfung seiner Bestände angeordnet.

Bild oben: Wir erinnern uns: 2025 ereignete sich ein tragischer Vorfall, bei dem sich ein Schuss aus dieser Dienstwaffe löste und einem US Airforce Angehörigen das Leben nahm. Quelle: FBI
Die anschließende Untersuchung von knapp 114.000 M18 innerhalb der Air Force ergab laut aktueller Army-Mitteilung bei keiner der inspizierten Waffen einen Zustand, der eine unbeabsichtigte Schussabgabe hätte ermöglichen können. Bereits die Untersuchung von Air Force Global Strike Command aus dem August 2025 hatte zwar bei 191 Waffen Abweichungen festgestellt – insbesondere an Safety Lever, Schlagbolzen und dem sogenannten "Sear" –, gleichzeitig wurde aber keiner der untersuchten Schussabgaben auf eine Fehlfunktion der Waffe zurückgeführt.
Damit ist der P320-Skandal erledigt?
Ganz so einfach ist es nicht. Die aktuelle Stellungnahme ist zunächst einmal genau das, was sie ist: eine offizielle Bewertung der US-Streitkräfte zu Ihrer Dienstwaffe. Sie ist ein starkes Statement zugunsten der M17/M18 und dürfte auch für SIG SAUER von erheblicher Bedeutung sein, aber: Sie löscht sie nicht automatisch die gesamte Vorgeschichte der P320 aus.
WIr hatte bereits über die Untersuchungen rund um die Michigan State Police und die dort eingesetzte M18 berichtet. Auch die damaligen Diskussionen um interne Sicherheitsmechanismen, Verschleiß und mögliche technische Ursachen haben gezeigt, wie komplex die Angelegenheit ist. Jetzt liegt allerdings eine umfangreiche Untersuchung der US-Streitkräfte vor, die zu einem deutlich anderen Ergebnis kommt als manche der bisherigen öffentlichen Darstellungen. Die US Army sagt ausdrücklich, dass kein einziger untersuchter Fall auf einen mechanisch verursachten Schuss zurückgeführt werden konnte.
Die Frage ist nun weniger, ob die US-Streitkräfte der Plattform weiterhin vertrauen – das tun sie offenbar. Interessanter wird vielmehr sein, ob die neuen Untersuchungsergebnisse auch die zahlreichen zivilen Diskussionen, Gerichtsverfahren und Vorwürfe rund um die P320 nachhaltig verändern werden.
Der P320-Skandal ist damit zumindest um ein sehr wichtiges Kapitel reicher. Und wir bleiben dran. Wie seht Ihr das?
Titelbild: SIG SAUER



