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Waldbrand, Evakuierung, Katastrophen: Sind wir vorbereitet?

Meldungen von Waldbränden und Evakuierungen sollten uns zum Nachdenken bringen: Wie gut sind wir auf Katastrophen vorbereitet?

Menschen geraten tagtäglich in Notsituationen. In vielen Regionen häufiger im Jahr als in anderen. Gerade hier in Westeuropa werden wir aber doch eher verschont und Notsituationen sind wir eher selten ausgesetzt. Doch genau deswegen rütteln Situationen wie die jüngsten Waldbrände doch mehr Menschen wach. Erst heute hatte ich in der Firma mehrmals Gespräche, in denen Menschen außerhalb unserer Bubble mich auf das Thema Krisenvorsorge ansprachen.

„Du, mein Verwandter XYZ wurde dort evakuiert … Wie würdest du das machen, wenn es dich träfe?“

Fragen wie diese höre ich in letzter Zeit häufiger. Und das ist auch gut so. Wichtig ist nur, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Die aktuelle Situation: Wo brennts gerade?

Anhaltende Trockenheit und Hitze haben in den vergangenen Tagen zu schweren Waldbränden geführt, bei denen vor allem Nordrhein-Westfalen stark betroffen war. Im Hürtgenwald im Kreis Düren brach der flächenmäßig größte Waldbrand in der Geschichte des Landes aus. Rund 300 Hektar brannten, knapp 2.000 Menschen im Ortsteil Gey mussten wegen der herannahenden Flammen evakuiert werden. Altmunition aus dem Zweiten Weltkrieg im Waldboden erschwerte den Einsatz der Feuerwehr zusätzlich. Teilweise mussten sogar Räumpanzer der Bundeswehr eingesetzt werden, um Schneisen zu schlagen. Inzwischen ist die Lage dort jedoch unter Kontrolle und die Evakuierung wurde aufgehoben.

Parallel dazu bedrohten Feuer im grenznahen Hohen Venn bei Monschau, wo rund 5.000 Anwohner vorsorglich vor starker Rauchbelastung gewarnt wurden, im Westerwald sowie an weiteren Orten in Südwestdeutschland stellenweise Wohngebiete. Durch ein Großaufgebot an Einsatzkräften konnten die Brände jedoch eingedämmt werden. Insgesamt waren zeitweise rund 1.800 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, Bundeswehr und Rettungsdiensten allein im Hürtgenwald im Löscheinsatz.

Realisitische Einschätzung: Worauf sollte man sich einstellen?

Hier wird es jetzt besonders interessant, denn das ist eine sehr individuelle Sache und erfordert, sich mit dem eigenen Wohnort und der Geografie auseinanderzusetzen. Warum? Ich gebe dir ein Beispiel.

Meine Eltern hatten in den 2000er-Jahren im Erzgebirge ein Haus, in dem wir wohnten. Dann kam die Flut, das sogenannte „Jahrhunderthochwasser“. Da wir als freistehendes Haus mitten im Wald relativ unzugänglich waren, beschloss damals der BGS – der Bundesgrenzschutz, heute Bundespolizei – die Evakuierung mittels Helikopter. Also packten meine Eltern die Sachen schnellstmöglich zusammen. Doch dann kam der Anruf: Aufgrund des Sturms kann der Helikopter nicht anfliegen. Die Evakuierung erfolgt mittels Geländewagen. Das Problem: Da alle Zufahrtswege blockiert waren, konnte nur vom Kamm des Hügels, an dem das Haus meiner Eltern stand, evakuiert werden. Fußmarsch: 200 Meter mit 120 Prozent Gefälle bergauf.

Zwei Erwachsene, ein fünfjähriges Kind, Gepäck und ein ausgewachsener, 60 Kilogramm schwerer Neufundländer mit Namen „Diogenes“. Der BGS konnte nur schwer einschätzen, wie viel Zeit noch blieb. Also war Eile geboten. Die Bilder, wie meine Eltern den schweren Seesack und den Neufundländer, der nun nicht gerade gut klettern konnte und halb von meinem Vater den Hügel hinaufgetragen wurde, den Hügel hochstürmen, werde ich nie vergessen.

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Bild oben: Das Jahrhunderthochwasser 2002 - 21 Menschen fanden den Tod in den Fluten. photura, via Wikimedia Commons, Creative Commons BY-SA 2.0 License

Niemand hatte sie darauf vorbereitet. Es gab in dem Moment auch keine andere Option. Hund, Seesack und Kind MUSSTEN da hoch. In genau solchen Momenten wird aus Theorie plötzlich Realität – und aus „wir schaffen das schon irgendwie“ ein sehr konkreter Handlungsdruck. Solche Situationen lassen sich nicht auf einen einzelnen Faktor herunterbrechen. Es ist immer ein Zusammenspiel mehrerer Belastungen.

Ich breche das deshalb bewusst auf vier Kernbereiche herunter: Fitness. Mentaler Stress. Material. Geografie.

Fitness - der unschöne Teil. 

Gewiss: Nicht alle Menschen im Hürtgenwald oder im Westerwald mussten im Zuge der Evakuierung während der Waldbrände weite Strecken zu Fuß zurücklegen. In den meisten Fällen konnten die Einsatzkräfte der Feuerwehr und weiterer Katastrophenschutz-Einheiten bis direkt an die Häuser heranfahren und die Betroffenen mit Fahrzeugen in Sicherheit bringen. Aber wer garantiert dir, dass es in deinem persönlichen Fall genauso abläuft, wenn dich ein Waldbrand in Deutschland oder eine andere Katastrophenlage tatsächlich trifft?

Wenn du am Waldrand wohnst, in einer ländlichen Region oder in der Nähe größerer Waldflächen, stellt sich die Frage ganz konkret: Warum sollte ein Waldbrand nicht auch in unmittelbarer Nähe deines Hauses oder deiner Wohnung entstehen? Gerade bei schnellen Brandausbreitungen, starker Trockenheit und Wind kann sich die Lage innerhalb kürzester Zeit dramatisch verändern. Es ist durchaus realistisch, dass die Feuerentwicklung so stark ist, dass bestimmte Abschnitte nicht mehr mit Fahrzeugen befahrbar sind.

Und was ist, wenn du dich nicht zu Hause befindest, sondern im Wald, beim Wandern oder unterwegs bist und plötzlich von einem Waldbrand überrascht wirst? Auch solche Szenarien gehören zur Realität von Waldbrände in Deutschland und sind kein theoretisches Gedankenspiel mehr.

Und wenn wir den Blick vom Feuer weg auf andere Naturkatastrophen in Deutschland richten, wird das Bild nicht weniger ernst: Die Wahrscheinlichkeit für extremen Starkregen und schwere Flutkatastrophen in Westeuropa und Deutschland hat sich durch die Erderwärmung bereits um den Faktor 1,2 bis 9 erhöht. Ereignisse wie die Ahrtal-Flut sind dadurch statistisch gesehen deutlich wahrscheinlicher geworden und treten nicht mehr nur in extrem langen Zeiträumen auf, sondern im Schnitt wesentlich häufiger.

Körperliche Leistungsfähigkeit, Kraftausdauer und Marschfähigkeit keine Nebensache, sondern ein entscheidender Faktor in jeder realistischen Krisenvorsorge. Es geht dabei nicht nur darum, im Ernstfall das eigene Leben zu schützen, sondern auch darum, in einer Evakuierungssituation handlungsfähig zu bleiben und andere Menschen nicht zusätzlich zu belasten.

Die gute Nachricht: Fitness, Ausdauer und Belastbarkeit lassen sich gezielt aufbauen.

Mentale Stärke - die unbekannte Variable

In Fitnessprogrammen rund um den Globus, wie beispielsweise bei unseren Freunden von NXT.GEN, steht mehr und mehr auch der mentale Aspekt im Fokus. Doch nicht nur für Einsatzkräfte und Anwärter solcher Einheiten ist mentale Stärke wichtig. Auch für den resilienten Zivilisten ist sie entscheidend. Eigentlich sogar noch mehr, da bei Einsatzkräften die mentale Stärke zumindest indirekt im Dienst immer weiter aufgebaut wird. Resilienz wird im Gefechtsdienst, auf Übungen und zuweilen auch im Tagesdienst – hier seien vor allem Landespolizeien und Bundespolizei erwähnt – abgefordert.

Isoliertes Training für mentale Resilienz kann ich dir nicht bieten. Aber einen Tipp kann ich dir geben: Stell dir zumindest einmal die Frage, wie mental fest du dich selbst einschätzt. Und dann frage Vorgesetzte, Familienmitglieder und Freunde, die ehrlich zu dir sind, nach ihrer Einschätzung. Wie reagierst du bei Stress? Hol dir ehrliches Feedback. Vielleicht hast du hier noch etwas, woran du arbeiten kannst.

Material - der einfache Teil der Krisenvorsorge

Vorsorge über Material ist immer der schönste Teil, denn der Markt ist mittlerweile riesig. Jeder renommierte Ausrüster bietet mittlerweile Survival-Kits, Fluchtrucksäcke oder Bücher zur Krisenvorsorge an. Aus meiner Erfahrung heraus gilt: Kaufen kann man vieles. Nützlich und wichtig ist vielmehr, dass ich es a) auch sicher anwenden kann und b) es auch wirklich dabeihabe. Ein 40 Kilogramm schwerer Get-Home-Bag – also ein Rucksack, mit dessen Hilfe man versucht, wieder nach Hause zu kommen – hilft mir gar nichts, wenn er zu Hause in der Ecke liegt und nicht im Auto, weil er zu klobig und sperrig ist. Ein 30 Kilogramm schwerer Fluchtrucksack hilft mir ebenfalls nichts, wenn ich ihn nicht über zehn Kilometer selbst tragen kann, weil meine Fitness nicht ausreicht.

Was sollte jeder Haushalt besitzen, um bei Krisen zumindest ansatzweise vorbereitet zu sein?

Mein Tipp: Ein Rucksack pro Person mit mindestens:

  • einem Gefäß mit 3 Litern Wasser
  • Wechselkleidung für zwei Tage
  • Ersatz-/Notrationen für zwei Tage
  • wichtigen Dokumenten
  • gegebenenfalls Ersatzmedikamenten
  • einer Rettungsdecke
  • einem IFAK, also einem individuellen Erste-Hilfe-Kit mit Schwerpunkt auf Traumaverletzungen
  • einem Messer
  • wenn möglich einer Signalfackel oder einem Bengalo
  • einem Wasserfilter
  • einer wasserfesten Karte der Umgebung
  • 100 Euro in kleinen Scheinen
  • zwei Feuerzeugen oder einem Feuerstahl
  • gegebenenfalls einem kleinen Beil

Das ist eine grobe Richtung, an der man sich orientieren kann. Erweitern kann man immer. Wichtig ist aber auch hier: Die Rucksäcke müssen immer schnell griffbereit sein und im Idealfall nicht taktisch aussehen, gleichzeitig aber enorm robust sein.

Geografie - Welche Gefahren lauern bei mir?

Zu guter Letzt – und das ist das absolute Mindestmaß jeder sinnvollen Krisenvorsorge in Deutschland – solltest du dich ernsthaft mit deiner direkten Umgebung auseinandersetzen. Gerade wenn es um Themen wie Waldbrand, Evakuierung, Katastrophen in Deutschland oder allgemeine Krisenlagen geht, entscheidet das Wissen über die eigene Geografie.

Stell dir deshalb ganz konkret die Frage, welche Risiken in deinem unmittelbaren Umfeld überhaupt existieren: Gibt es in deiner Nähe größere Wälder oder Flüsse, die bei Waldbränden oder Hochwasser zur Gefahr werden könnten? Wohnst du in einem Gebiet mit hoher Bevölkerungsdichte oder in der Nähe großer Menschenansammlungen, in denen es im Ernstfall zu Tumulten oder Panikreaktionen kommen kann? Und wie sieht es mit kritischer Infrastruktur aus – etwa städtischen Trinkwasserbrunnen, die im Krisenfall relevant werden könnten?

 

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Ebenso wichtig ist der Blick auf die Verkehrswege: Welche großen Straßen, Autobahnen oder Zufahrtsrouten würden von Feuerwehr, THW oder anderen Einsatzkräften im Fall eines Waldbrandes oder einer Evakuierung in Deutschland genutzt werden? Und genau umgekehrt: Wenn Menschen fliehen müssen – sei es wegen eines Waldbrandes, eines Großschadensereignisses oder einer anderen Katastrophe – wohin werden sie sich bewegen, und wo entstehen dadurch zwangsläufig Staus, Engstellen oder komplett blockierte Routen?

Auch potenzielle Gefahrenpunkte solltest du nicht ausblenden. Gibt es in deiner Umgebung Orte, die im weitesten Sinne als kritische Infrastruktur oder sogar als mögliche Ziele für Angriffe oder Störungen gelten könnten? Und falls ja: Könntest du davon indirekt betroffen sein, selbst wenn du nicht direkt im Zentrum des Geschehens wohnst? All diese Überlegungen sind nur ein Bruchteil der Fragen, die sich jeder Bürger im Jahr 2026 im Kontext von Krisenvorsorge, Waldbränden in Deutschland und moderner Katastrophenvorbereitung stellen sollte – aber sie sind ein entscheidender Anfang.

Naturkatastrophen in Deutschland: Wie gut muss ich mich vorbereiten?

In Deutschland gibt es einen sehr guten Katastrophenschutz mit einem dichten Netz aus Feuerwehren, THW und weiteren Behörden, die uns als Bürger bereits gut schützen. Doch nicht immer ist das garantiert. Und so kann auch dir passieren, dass du plötzlich in eine unvorhergesehene Situation kommst.

Frage dich: Kann ich einen Fluchtrucksack über zehn Kilometer tragen, ohne danach ein Sauerstoffzelt zu brauchen? Wie mental stark bin ich? Reagiere ich bei außergewöhnlichen Situationen instabil und sollte vielleicht genau das trainieren? Besitze ich überhaupt etwas an Krisenvorsorge-Ausrüstung, um nicht völlig unvorbereitet dazustehen? Welche geografischen Besonderheiten umfasst meine Wohnsituation? 

Ob Waldbrand, Hochwasser, Evakuierung oder ein anderer Katastrophenfall: Du musst nicht auf jede Situation perfekt vorbereitet sein. Aber du solltest zumindest einmal darüber nachgedacht haben, was du machst, wenn die Feuerwehr nicht mehr bis vor deine Haustür kommt.

 

Titelbild optimiert mittels künstlicher Intelligenz.