Česká zbrojovka - Tschechische Ingenieurskunst für die Bundeswehr
Ende Dezember veröffentlichte die Česká zbrojovka (CZ) eine Pressemeldung, in der sie bekanntgab, die Ausschreibung der Bundeswehr für eine neue Dienstpistole für sich entschieden zu haben. Und tatsächlich: Fast unbeachtet von der Öffentlichkeit hat der Bundestag bereits im November die Anschaffung der CZ P-10 in der kompakten und Optics-Ready-Variante als neue Ordonnanzpistole der Truppe genehmigt, nachdem im Juli das Ausschreibungsverfahren beendet wurde.
Wir berichteten:
"Pistole querschnittlich P13": Bundeswehr entscheidet sich laut Medienberichten für CZ
Die berühmten "gut informierten Kreise" raunen es immer lauter: Die Bundeswehr wird sich wohl für eine Pistole von CZ entscheiden. Doch welche genau wird die neue Dienstpistole P13...
Das Ausschreibungsverfahren wurde – anders als beim G36-Nachfolger – sowohl von der breiten Öffentlichkeit als auch von der Fachpresse kaum wahrgenommen. Mehreren Quellen zufolge setzte sich CZ erfolgreich gegen Glock und Arex durch. Der bisherige Standardlieferant Heckler & Koch war hingegen gar nicht im Rennen. Grund dafür dürfte eine zentrale Forderung der Ausschreibung gewesen sein: die bereits erfolgte Einführung der Waffe in größerer Stückzahl (>5.000) bei den Streitkräften eines NATO-Mitgliedsstaates. Diese Voraussetzung erfüllt das H&K-Flaggschiff SFP9 bislang nicht; hier konnte man sich vor allem im deutschen Behördenmarkt etablieren.
Während die ursprünglichen Ausschreibungskriterien für das G95 so komplex waren, dass sie mit gängigen Kalibern und Plattformen kaum zu erfüllen waren, hielt man es bei der P13 erstaunlich schlicht: Kaliber 9 × 19, Schlagbolzenschloss, Vorbereitung für optische Visierung, militärisch erprobt. Sind diese Kriterien erfüllt, entscheidet der Preis. Und tatsächlich handelt es sich hierbei um sehr sinnvolle Anforderungen für eine militärische Dienstpistole.

Bild oben: Die CZ P10C OR in einer Ausführung mit Trijcon RMR und Streamlight TLR-X. Quelle: CZ
Die Truppe erhält mit der P13 somit genau das, was gefordert wurde: eine schnörkellose, moderne Dienstpistole nach dem Browning-Petter-SIG-Prinzip – striker-fired, mit Polymerrahmen. Im Vergleich zur P8 reduziert sich der Ausbildungsaufwand deutlich, da eine externe Sicherung sowie der DA/SA-Abzug entfallen. Positiv hervorzuheben ist zudem die unkomplizierte Möglichkeit zur Optikmontage, auch wenn eine entsprechende Visierung nicht Teil der Ausschreibung war. Es wäre im Jahr 2025 nur schwer nachvollziehbar gewesen, bei der Beschaffung einer Dienstpistole auf eine Optikmontage zu verzichten.
Als Militär eines großen Landes hätte man sich zwar auch auf einen festen Montage-Footprint festlegen und so auf ein Adapterplattensystem verzichten können. Da die Fräsung bei der P-10C jedoch deutlich tiefer ausfällt als beim MOS-System von Glock – was eine größere Gewindetiefe der Befestigungsschrauben ermöglicht – bleibt dies lediglich ein kleiner Wermutstropfen.

Bild oben: Die "P13" in der Konfiguration wie sie in der Bundeswehr ausgeliefert werden wird. Eine Beschaffung von Rotpunktvisieren ist bisher nicht erfolgt. Quelle: CZ
Auf zwei Kritikpunkte soll dennoch eingegangen werden, da sie mit Sicherheit diskutiert werden:
Warum kauft die Bundeswehr kein deutsches Produkt und hält Wertschöpfung sowie kritische Infrastruktur im Inland?
Die Antwort ist schlicht: Es handelte sich um eine EU-weite Ausschreibung, bei der die Anschaffungskosten das maßgebliche Entscheidungskriterium waren. Hier muss sich Deutschland auch an die eigene Nase fassen. Rüstungskonzern und Waffenhersteller in Deutschland zu sein, ist kein einfaches Unterfangen. Zwar entstehen hier extrem hochwertige Kurzwaffen, doch in Sachen internationaler – insbesondere wirtschaftlicher – Wettbewerbsfähigkeit gab es in den vergangenen 30 Jahren zu wenig Unterstützung aus Politik und Gesellschaft. Das geforderte Kriterium einer bereits erfolgten Einführung bei einer NATO-Armee wird dadurch letztlich zum K.-o.-Kriterium.
Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage, in der die Gefahr eines europäischen Bündnisfalls leider wieder realer geworden ist, erscheint die Vergabe an einen EU-Nachbarn zudem vertretbar. Persönlich hätte ich derzeit größere Bedenken bei Importen aus den USA. Beachtung muss auch der Punkt finden, dass Beschaffungen von Handwaffen vergleichsweise sehr kleine Positionen in den Haushalten sind, die fast schon "nebenbei" im Tagesgeschäft laufen. (Zum Vergleich: Während die Rahmenvereinbarung über die Lieferung von bis zu 203.000 Pistolen des Typs P13 ein Gesamtvolumen von ca. 56 Millionen Euro beträgt, hat die Beschaffung der neuen Radhaubitzen vom Typ RCH 155 ein Volumen von 3,4 Milliarden Euro - das ist das 60-fache. Bei solch "kleinen" Beschaffungen gelten andere Maßstäbe.)
Warum muss es das günstigste Produkt sein? Hat unsere Truppe nicht die beste Ausrüstung verdient?
Grundsätzlich ja. Doch seien wir ehrlich: In den vergangenen Jahrzehnten haben sich nahezu alle Neuerscheinungen auf dem Dienstpistolenmarkt an der Glock orientiert – mit jeweiligen Vor- und Nachteilen im Detail. Am Ende sind alle an der Ausschreibung beteiligten Modelle funktionelle Gebrauchswaffen mit teilvorgespanntem Schlagbolzenschloss. Dem einen liegt dieses Griffstück besser, dem anderen jener Magazinauslöser. Und jeder Verteidigungshaushalt – auch jedes Sondervermögen – ist endlich. Gibt es mehrere gute Optionen, darf ein Staat durchaus wirtschaftlich handeln.
Fazit:
Mit der CZ P-10C als P13 wurde eine gute Wahl getroffen – auch wenn andere Modelle es ebenfalls gewesen wären. Entscheidend wird nun eine reibungslose Einführung (inklusive Ausbildung!) in der Truppe sein. Spannend bleibt zudem die Frage, ob und gegebenenfalls für welche optische Visierung man sich entscheiden wird.
In Zeiten von Drohnenangriffen und hybrider Kriegsführung hat die Pistole als Sekundärwaffe zwar an Bedeutung verloren. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass es zahlreiche Soldat:innen gibt, deren Aufgabe nicht primär der direkte Kampfeinsatz ist – etwa im Sanitätsdienst, in der Logistik oder im IT-Bereich. Ihnen steht künftig mit der P13 eine Personal Defense Weapon (PDW) zur Verfügung, die den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht wird.




